November 2010

 

Liebe Freunde, dieser Bericht ist schon seit langem überfällig. In diesem Jahr fiel es mir sehr schwer die Webseite zu aktualisieren. Ich mag es nicht, mich herauszureden, denke aber dass ich eine Erklärung schuldig bin. Meine Unterlassung hat viele Gründe.

Der erste Grund ist “VIVA LA PELOTA”, ein Fernsehprogramm für Kinder, das wir seit 3 Jahren produzieren. Glücklicherweise ist es sehr erfolgreich. Obwohl die Bezahlung moderat ist, haben wir ein regelmäßiges Einkommen.

Früher mussten wir von einem Projekt zu anderen springen, das Geld reichte nie und wir konnten oft nicht einmal unsere Grundkosten decken. Wir haben in den letzten drei Jahren über hundert Programme produziert und die Zahl der Leute, mit denen ich als Produzentin Kontakt halten muss, wird immer grösser. Wo wir am Anfang aus unserem Fundus schöpfen konnten, müssen wir jetzt neu kreieren.

Mein Arbeitstag in “Vientos Culturales” beginnt um 17 Uhr. Zuvor habe seit dem frühen Morgen über viele Stunden mit Rosa im Rahmen des Programms der Institute gearbeitet. Dann übernimmt meine Schwägerin Maggi die Staffel. Ich arbeite von 17 bis 22 Uhr und natürlich oft noch nachts weiter, wenn die Kinder schlafen. In diesen Stunden muss alles erledigt werden.

Alles ist natürlich superdringend und die Webseite bleibt liegen in der Hoffnung, dass die lieben Paten geduldiger sind als alle meine noch so lieben Mitarbeiter. Darinel hilft mir morgens etwas mit Rosa und arbeitet sonst den ganzen Tag. Am Sonntag haben wir etwas mehr Zeit für uns.

Nun komme ich zum zweiten Grund: Bei Darinel wurde im letzten Jahr ein Herzleiden diagnostiziert. Es konnte keine bestimmte Ursache festgestellt werden.

Zuvor hatte er schon immer mal typische Probleme, aber wir haben sie nie richtig ernst genommen. Die Untersuchungen zeigten einen schweren Herzmuskelschaden mit Herzerweiterung und einer Verminderung der Herzleistung. Er musste anfangen, täglich Medikamente einzunehmen und was vielleicht unter mitteleuropäischen Bedingungen eine geringe Einschränkung  der Leistungsfähigkeit darstellen würde, ist bei 40 Grad im Schatten wirklich kein Spaß.

Er schlief sehr viel, konnte so gut wie nicht bei dem Programm mit Rosa helfen und das Arbeiten fiel ihm immer schwerer. Darinel musste sich oft auch tagsüber hinlegen, um auszuruhen, während alle Mitarbeiter auf ihn warteten. Es war wirklich keine rosige Zeit und ich hatte natürlich nicht viel Lust zu schreiben. Alles war ein bisschen viel.


Rosa bei der Gartenarbeit

 


Rosa am "Tag der Toten" (Halloween). Die Maske ist aus Pappmasché und ich habe sie auf ihrem Gesicht gemacht. Es war sehr erstaunlich, das Rosa dabei still halten konnte.

 

Den dritten Grund nenne ich  “Unseren Weg ins Grüne”. Bei unserem vorletzten Besuch in Philadelphia wurden wir von Dr. Cheikin darauf aufmerksam gemacht, dass in Rosas Diät Grünes fehlt und uns wurde empfohlen, das Buch “Green for life” von Victoria Boutenko zu lesen. Das Buch ist unter demselben Titel auch auf Deutsch erhältlich. 

Ich bin immer dankbar, wenn ein Mythos aus meinem Leben verschwindet. Die Meisten würden denken, dass die Lebensmittelpyramide keiner ist. Das Buch zeigte mir auf einfache Weise, aus Obst und jeglichen rohen grünen Blättern (Spinat, Löwenzahn, Rucola, Mangold, Kopfsalat, Grünkohl, Petersilie, Sellerie, Koriander  usw.), leckere Smoothies herzustellen.

Wir alle fingen an, viel davon zu trinken, was uns sehr gut bekam. Ich fing an weiter zu lesen, besonders über die Rohkostdiät. Ich fand heraus, dass diese Diät viele Krankheiten und auch Herzerkrankungen heilen kann. Darinels Kardiologe hatte uns gesagt, dass es für ihn keine Verbesserung geben würde und er ein Leben lang mit dieser Kondition und all den Medikamenten leben müsse.

 

Ich habe mehr und mehr gelesen. Wir tranken immer weiter die grünen Smoothies (es scheint kein deutsches Wort dafür zu geben). Wir fühlten uns besser, hatten mehr Energie und waren ruhiger. Ich konnte das erste Mal in meinem Leben früh gut aus dem Bett kommen, ohne mich müde und ausgelaugt zu fühlen. Das Ende vom Lied war, dass ich Darinel im Mai, sagte: “Weißt du was, wir drehen den Gashahn am Herd aus.  Das kann Dir helfen.”


Wir sagten uns: wir versuchen es einen Monat, nur wir Beide, nicht die Kinder und mal sehen was passiert. Wir fingen an, ausschließlich Rohkost zu essen: rohes Obst und Gemüse, besonders viele grüne Blätter, kaltgepresstes Oliven oder Sesamöl, Kokosnuss, Nüsse, Avocado, Algen (Sprirulina), Amarant, Weizenkeime u a.  Jetzt essen wir auch etwas Gekochtes: Bohnen und Linsen, aber kein Fleisch,  keine Milchprodukte, natürlich kein Käse, kein Jogurt und auch keine Eier.


Der erste Monat war schwierig, wir hatten immer Hunger und ich hatte am Anfang natürlich keine Idee, wie ich denn “roh kochen” soll.  Ich musste plötzlich viel Zeit in der Küche verbringen. Die Rezepte aus dem Internet halfen mir auch nicht viel, weil ich natürlich die Zutaten nicht besorgen konnte.

Es war auch sehr schwierig, so viel rohes gutes Grün zu besorgen. Hier in Mexiko wird oft noch mit belastetem Wasser gesprengt und die Pestizide sind an der Tagesordnung.

Ich musste erfinderisch werden und jetzt nach 7 Monaten, bin ich schon fast ein Spezialist. 

Das Beste war, dass Darinel anfing, sich viel besser zu fühlen. Viel besser ist untertrieben, eigentlich fühlen wir uns so jung wie noch nie in unserem Leben, voller Energie und  Tatendrang, auch unsere Stimmung änderte sich sehr, wir waren plötzlich immer guter Laune, unsere kleinen Zänkereien verschwanden und es machte so viel mehr Spaß, das Programm mit Rosa zu machen.

Wir sind mutiger und unsere Ängste sind fast verschwunden. Ich hatte zum Beispiel Höhenangst oder Angst vor der Dunkelheit. Es war auch mehr Zeit für Maria übrig.

Maria ist jetzt in der Pubertät und braucht viel Zuwendung. Sie war begeistert, ihre Eltern so verändert zu sehen und fing an, immer mehr von unseren Mahlzeiten zu essen. Sie veränderte sich sehr. Sie ist viel besser in der Schule, ihr Charakter wandelte sich von dem eines muffligen Teenagers in den einer sehr aktiven jungen Dame, die alles interessiert. Besonders fiel uns auf, dass sie plötzlich sehr viel liest, was früher so nie der Fall war. Sie ist auch körperlich sehr fit und sieht noch viel hübscher aus, als sie sowieso ist.

Darinel fing an, seine Herzmedikamente zu reduzieren, konnte anfangen, Sport zu treiben, braucht viel weniger Schlaf und ist sehr fit bei der Arbeit. Er kann mir mehr mit Rosa helfen und nebenbei noch Englisch lernen.

 


Rosa bei den Proben zur Weihnachtsfeier. Diesmal wird sie der Botenengel sein. Das heisst sie wird nicht mehr an der Hand geführt, sondern muss selbstständig schauspielern.

 

Es war nur natürlich, das wir anfingen darüber nachzudenken, Rosa auf die Rohkostdiät zu setzen. Wir hatten einige Befürchtungen, aber nach einer Rückfrage mit den Instituten war es dann im Juli so weit. Fast genau zu ihrem 10. Geburtstag wurde sie Rohkostvegetarianerin. Es ist eine große Verantwortung für uns und ich schlafe nachts mit Ernährungsbüchern ein. Aber die Mühe lohnt sich  für alle.

Rosa hat so viele wunderbare Veränderungen gezeigt. Es ist schwierig, alle aufzuzählen. Aber eins war besonders erstaunlich: an Rosas erstem Tag ohne Fleisch, war es so, als wenn ihre Augen aufgegangen wären, ihr Blick war plötzlich so viel klarer.
Ich möchte nur einige Fortschritte aufzählen, die Rosa seit Juli gemacht hat.

Rosa wacht 6 von 7 Nächten trocken auf. Früher pullerte sie 2 mal in der Nacht in eine Windel.

Rosa hat viel bessere, schnellere und regelmäßigere Stuhlentleerung.

Sie pullert viel weniger ein und hat viele trockene Tage.

Rosa verdaut besser ihre Lebensmittel und wir konnten alle Zusatzmittel absetzen, die sie für die Verdauung einnahm. Wir konnten auch alle Vitaminprodukte absetzen. Sie kann besser kauen und schlucken. Sie hat Geschmacksinn entwickelt und isst langsamer. Wenn sie etwas nicht mag, isst sie es nicht. Das ist neu für uns, früher schaufelte sie alles in sich hinein, ohne Unterschied.

Rosa kann viel besser schlafen und wacht nicht mehr so leicht auf. Nach 10 Jahren kann sie jetzt  allein einschlafen. Zum ersten Mal sind alle Laborwerte normal. Sie war früher leicht anämisch und hatte immer sehr hohe Leberwerte.

Sie sieht viel besser aus, sie hat eine gesündere Gesichtsfarbe und ihre Gesichtszüge ähneln immer mehr denen eines gesunden Kindes. Sie kann besser rennen. Sie spricht viel mehr und benutzt dieselben Laute konstant.

Ihr Verhalten ist viel besser, sie ist viel ruhiger, sie gehorcht besser und kann sich viel besser in Gesellschaft Anderer verhalten. Sie wird jetzt oft von anderen Kindern zum Spielen eingeladen.  Sie kann besser kommunizieren und ihr Schreiben mit gestützter Kommunikation ist auch viel leichter.

Sie kann sich selbständig auf unserem Grundstück bewegen. Sie macht viel besser bei ihrem Programm mit und mit mehr Lust und Freude, auch ein Kunststück nach so vielen Jahren.

Wir stehen kurz vor Weihnachten und Rosa wird wieder bei unsrem Weihnachtsprogramm am Krippenspiel teilnehmen. Diesmal ist sie der Botenengel. Hoffentlich geht alles gut. So nun habe ich sehr viel geschrieben und trotzdem noch nicht alles erzählen können, so zum Beispiel wie wir Rosas 10. Geburtstag gefeiert haben, wie sie ihren kleinen Garten angelegt hat und wie sie  ihren ersten Tanzunterricht hatte. Ich habe vor unserer letzten Reise, Rosas alte Pässe gefunden und ich bin sehr erstaunt gewesen über ihre Veränderung:

Rosa im Alter von 3 Monaten, 4 einhalb Jahren, 9 Jahren und 10 Jahren.

Das letzte Foto gefiel mir besonders. Ich habe es noch im Original. Es sind schon grosse Veränderungen. Mal sehn was uns die nächsten 10 Jahre bringen.

Viele Grüsse von Elke, Darinel, Maria und ROSA

 

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